Askja – Reise auf ein Pulverfass

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Im HIntergrund die Caldera der Askja

Heute mag es lächerlich erscheinen, aber ich habe über die Jahre mehrere Versuche gebraucht um zur Askja zu kommen. In den 90er Jahre war das Wetter so schlecht, dass wir einfach zu viel Respekt hatten noch zur Askja  zu fahren. Beim zweiten Versuch zwang uns ein gerissener Keilriemen zur Umkehr. Und wieder ein paar Jahre später war es dann eine defekte Wasserpumpe – langsam hatte ich schon das Gefühl hier hätte es Kräfte, die irgendwie nicht auf unserer Seite waren.

Nun, in der Zwischenzeit habe ich es doch schon öfters geschafft. Die Route ist im Gegensatz zu früher allerdings auch besser zu befahren. Auf der Route F88 hat es heute eigentlich nur zwei Furten, die etwas schwierig sein können. Hier sollte man allerdings wirklich aufpassen, je nach Witterung kann eine Furt sehr tief sein.  Fakt ist nämlich, dass der Garagist „Karl“  (Auto and Tire Repair) aus Reykjahlíð  in der Hochsaison hier jede Woche 4 – 5 x im Durchschnitt irgendwelche SUV’s aus dem Wasser zieht und auf seinem Tieflader zurück nach Myvatn bringt. Die Überraschung kommt dann für diese SUV-Fahrer meistens am Flughafen bei der Rückgabe des (Ersatz-) Fahrzeuges, wenn diese realisieren, dass sie für den gesamten Schaden aufkommen müssen. Schäden die bei der Durchquerungen von Wasserläufen und Flüssen entstehen sind nicht versichert!

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Die Furten auf dem Weg zur Askja sind nicht zu unterschätzen … relativ tiefe Furten gibt es an der Grafarlandaa sowie Lindaá, diese Stellen können bei Hochwasser auch schon mal unpassierbar sein.

Etwas entspannter, allerdings muss man viel mehr Zeit einrechnen, ist wenn man über Möðrudalur  auf der Route F905 / Route F910 zur Askja fährt. Hier hat es eine Brücke und der Rest ist ein schöner Jeep-Track durch eine unglaubliche faszinierende Landschaft. Ich fahre diese Route lieber, auch habe ich das Gefühl diese ist weniger befahren.

Vielleicht hat es diese „Story’s“ die ich rund um den Askja immer wieder erlebt habe gebraucht, dass ich mich heute diesem Vulkan mit viel Respekt nähere. Und sind wir ehrlich, die Askja ist nicht ohne, eigentlich bewegt man sich hier auf einer gigantischen Zeitbombe.

Zuerst sind da einmal diese unglaubliche Dimensionen. Vom Zentralkrater Askja dehnt sich ein 200km langes Spaltensystem aus. Das Vulkansystem selber erstreckt sich über 40 km Entfernung südwestlich bis zum vom Tafelvulkan Herðubreið und der Oase Herðubreiðarlindir, über 150 km nach Norden bis zur Halbinsel Melrakkaslétta. Gleichzeitig reicht es noch ca. 30 km nach Süden.

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Öskjuvatn, mit 220 m einer der tiefsten Seen Islands. Auch der kleinere, ebenfalls von einem See ausgefüllte Víti-Krater befindet sich in der Caldera.

Der Zentralvulkan der Askja sind drei ineinander verschachtelte Calderen (ca. 45 km2), welche zusammen das Dyngjufjöll-Bergmassiv (z.T. über 1500müM hoch) bilden. In der Mitte der jüngsten, in der vulkanotektonischen Episode von 1875 entstandenen Caldera, befindet sich der See Öskjuvatn, mit 220 m einer der tiefsten Seen Islands. Auch der kleinere, ebenfalls von einem See ausgefüllte Víti-Krater befindet sich in der Caldera.

Natürlich ist auch die Historie von Ausbrüchen beeindruckend und geht in der Zeit weit zurück. In der neueren Zeit, als im März 1875 „brannten“ z.B.  die Askja-Feuer – ein Ausbruch der Ostisland mit Asche bedeckte. Im Sommer entdeckte ein dänscher Geologe, dass die Magmakammer, die sich entleert hatte, zusammengestürzt war – tiefster Punkt 238m unterhalb des Bodens. Es hatte sich also eine neue, „kleine“ Caldera gebildet.

In der Folge sollte sich herausstellen, dass es sich bei den Askja-Feuer um den zweit- oder drittstärksten explosiven Vulkanausbruch seit dem Beginn der Besiedelung in Island handelte (nach Hekla 1104 und Öræfajökull 1368).

Auch der Viti – in dem heute gerne gebadet wird – bildete sich in dieser Zeit.

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Ein Bad im „Vulkan“ – das Wasser im kleinen See des Krater Viti ist 20 °C bis 24 °C warm.

Im Oktober 1961 bauten sich neue Krater auf und schufen das Lavafeld Vikrahraun. Immerhin ging hier eine Lavafontäne bis zu 500 m hoch.

Seit dieser Zeit blieb es hier ruhig(er).

Am 24. Juli 2014 ereignete sich ein Erdrutsch, bei dem sich ein ca. 1 km breites Stück der Kraterwand löste und in den See Öskjuvatn glitt. Dabei kam es bis zu 50m hohen Tsunamis, welche sogar den benachtbarten Krater Viti erreichten.

Wenn man das alles im Kopf hat, wenn man sich hier aufhält, kann einem auch etwas mulmig werden. Aber das Gebiet ist unglaublich faszinierend und in diesem Post gar nicht zu beschreiben.

Daher lasse ich jetzt hier lieber einige Bilder sprechen, welche ich in 2013 aufgenommen habe. Wieder begleiteten mich starke Schneefälle, im Wechsel mit Sonnenschein verzauberte es die Landschaft auf eine spezielle Art.

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Four wheel drive only …
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Ein bisschen Action für die Kamera …
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Die Caldera der Askja kommt endlich in Sicht …
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typischer Gegenverkehr
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Ziel erreicht – die Dreki Hütten. Von hier geht es dann noch ein ganz schönes Stück weiter bis zum Parkplatz an der Askja.
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Eingang in die Drachenschlucht (Drekagil) – hier führt eine Wanderung ca. 30 min zu einem Wasserfall
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Blick von der Dreki-Hütte – hier beginnt die berühmte „Killer-Road“ in Richtung Sprengisandur
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Parkplatz Askja – ab hier geht es zu Fuss (ca. 1h) zum Krater-See der Askja
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Öskjuvatn, mit 220 m einer der tiefsten Seen Islands. Auch der kleinere, ebenfalls von einem See ausgefüllte Víti-Krater befindet sich in der Caldera.
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Wanderer am Rande des Viti