Swissness is everywhere!

Schweiz feiert den 1. August – Happy Birthday Switzerland!

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Plane eine Reise um den 1. August (Nationalfeiertag) in die Schweiz, Du wirst erstaunt sein, über die sommerliche Lebensfreude in den Städten oder in den Bergen.

Überall ist heute „Swissness“!  

Heute ist der Schweizer Nationalfeiertag! Heute wird also wieder „Swissness“ zelebriert. Dabei hätten wir dies ja schon an der Euro 2016 machen sollen. Obwohl unsere Fussball-Mannschaft gar nicht so schlecht abgeschnitten hatte, war aber nicht viel „Schweiz-Euphorie“ zu spüren. Die meisten liessen diesmal ihre Fahnen und Fähnchen irgendwo im Keller.

Dafür werden wir heute – an unserem Nationalfeiertag – wieder richtig loslegen. Jetzt macht es besonders Spass, wenn man durch Städte, Täler und Dörfer geht. Überall Schweizer Fahnen, die Fenster sind festliche in rot-weiss dekoriert. Kein Haus und keine Hütte werden ausgelassen. Manchmal wundere ich mich, dass man die Kühe nicht in rot-weiss schmückt oder sogar rot lackiert. Über den öffentlichen Gebäuden wehen die Kantons- und Nationalflaggen. Geht man in die Bäckerei kauft man sich natürlich einen 1. August-Weggen – darauf hat der Bäcker schon ein kleines rot-weisses Fähnchen eingesteckt.

Übrigens plane doch einfach einmal eine Reise um den 1. August 2016 in die Schweiz, Du wirst erstaunt sein, über die sommerliche Lebensfreude in den Städten oder in den Bergen.

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Nirgendwo sonst in Europa gibt es einen nationalen Feiertag, der auf so eine gewaltige Weise gefeiert wird. Natürlich feiert Frankreich am 4. Juli mit grossen Paraden auf der Champs Elysee. Der Unterschied zu uns ist, dass die Schweiz überall im Land pure „Swissness“ zelebriert.

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Wenn man den 1. August richtig zelebrieren will, dann startet man mit einem Brunch auf einem Bauernhof. Die Bauern haben ihre Kühe schon auf die Alpen in die Ferien geschickt und so Zeit die vielen Gästen an langen Tischen (bei Regen in ihren Ställen) zu bewirten.

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Die Kühe sind auf der Alp

Für jene die den Abend mit Freunden und Familie zu Hause geniessen, haben die Supermärkte ein gigantisches Angebot an Swissness: Flaggen, Servietten, Laternchen, Feuerwerk, Tonnen von Grillfleisch, Fondue, Raclette – überall hat es ein Schweizerkreuzchen drauf. Und alles musste bis gestern abend raus, denn heute am Nationlfeiertag haben alle Geschäfte geschlossen.

Traditionell ist aber, dass man sich am Abend am 1. August-Funken (also einem richtig grossem Holzfeuer) versammelt. Dorthin gelangt man über eine Art Prozession – die Kinder tragen in der Dämmerung stolz Laternen (also Lampions) mit Schweizer Kreuz durch die Strassen, begleitet von Eltern die mit rot-weissen Papierfähnchen winken. Angekommen am 1. August-Funken hört man sich etwas verklärt Reden unser beliebtesten Politiker über «Gerechtigkeit für alle» (SP), «Tragt Sorge zur Wirtschaft» (FDP) oder «Haltet die Neutralität hoch» (SVP) an. Aktuelles darf bei diesen Reden nicht fehlen, dieses Jahr werden vielleicht einige Politiker vor dem Feuer den Swexit erfinden und darüber sinnieren, ob und wie man England in die Eidgenossenschaft aufnehmen könnte. Sicher dagegen ist, dass man sich an den Rütlischwur von 1291 erinnert. Das Gründungsjahr unserer stolzen Nation. Wobei dieser Rütlischwur eigentlich erst im Jahr 1307 war, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Und dann summen wir den Schweizerpsalm – unsere Nationalhymne – dessen Text wir bis heute irgendwie alle nicht wirklich gespeichert haben. Darum druckt man inzwischen den Text auf die Rückseite jedes Flyers, Serviette oder was halt gerade dafür herhalten muss.

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Nachts dann, wenn man die Reden etwas verdaut hat, spektakuläre Feuerwerke auf den Seen von Genf, Zürich, Luzern und Lugano. Oder über atemberaubenden Bergwelten wie hier in Arosa!

Die Feiern haben zum Teil riesige Dimensionen – so staunen tausende von Besuchern (in der Mehrzahl Chinesen, Inder, vielleicht auch ein paar Briten) z.B. in Neuhausen/SH über die rot-weisse Beleuchtung des 25 Meter hohen Rheinfalles. Oder man versucht eine gigantische Fahne auf dem Berg Säntis aufzuhängen und diese zu beleuchten.

Für die Grenzstädte übrigens rund um die Schweiz heisst es am 1. August „Invasion of the year“! Alleine in der deutschen Stadt Konstanz bereitet man sich jedes Jahr auf einen Ansturm von über 40‘000 Schweizer Autos vor. Hochsaison für Zöllner, Polizisten und den Verkaufsteams. Abends kehren die Schweizer Einkaufstouristen alle nach Hause und feiern Swissness! Halt eben mit feinen deutschen, aber dafür günstigen Bratwürsten.

Was ist die Bedeutung unseres Nationalfeiertages?

Der 1. August wurde als Nationalfeiertag gewählt, weil die drei Bergkantone Schwyz, Unterwalden und Uri sich am 1. August 1291 versprachen gemeinsam für ihre Souveränität zu kämpfen. Dieser Bund wurde später die Grundlage der Eidgenossenschaft – also der Schweiz.

Die Vertreter dieser drei Berg-Kantone trafen sich vor 725 Jahren am Rütli, einem Feld über dem Vierwaldstättersee. Dieses Feld gibt es noch und daher findet die offizielle Bundesfeier, einschliesslich der öffentlichen Rede des Bundespräsidenten, immer auf dieser Rütliwiese statt. Und so wird dort wie überall im Land an die Ausweisung der „ausländischen Gerichtsvollzieher“ gedacht und an die Gründung der „Schweizerischen Union“ feierlich erinnert.

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Warum feiern wir unseren Nationalfeiertag so ausgelassen? Aus Nationalgefühl oder einfach aus Lebenslust pur?

Vor rund zwanzig Jahren erklärte das Volk per Abstimmung, dass der 1. August zum arbeitsfreien Tag wird. Seit dem hat sich viel geändert. Es gibt einige kritische Stimme, denen der landesweite Super-Event zu viel geworden ist. Das „Schweizerische“ sei verloren gegangen, wünschen sich die Zeit zurück, als man noch ohne jegliche Politscherereien eine Bratwurst grillierte, für die Kinder vielleicht eine Rakete zündete, frühzeitig den letzten Lampion löschte. Ins Bett ging. Aber heute –  im Zeitalter von „Helene Fischer“ – würden wir unseren Nationalfeiertag nur noch laut feiern, diesen Feiertag für Partys missbrauchen! Mit Konzerten und Feuerwerk! Atemlos durch die Nacht!

Andere wiederum kritisieren das Aufkeimen eines neuen, radikalen Nationalgefühles!

Nationalgefühl? Sind wir wirklich Stolz auf unsere Herkunft, auf unsere Nationalität – also Stolz auf etwas, zu dem wir eigentlich gar nichts selber beigetragen haben?

Man versucht teilweise in unserer Politik und Presse immer noch das Klischee vom normierten Schweizer mit Einfamilienhaus irgendwo im Mittelland aufrechtzuerhalten. Vermutlich hat es diesen „Schweizer“ gar nie gegeben (und Schweizerin sowieso nicht). Klar wir sind pünktlich, kritisch, arbeiten viel und gerne! Tragen unsere Bürden, müssen Schicksale verkraften. Schlussendlich leben wir einfach sehr gerne an diesem Ort, in diesem Land. Das Gefühl den „swiss way of life“ als Lebenskonzept zu haben, den Schweizer Lifestyle zu geniessen, dies ist doch der wirkliche Grund, warum wir heute ausgelassen einfach unsere Lebensart feiern. Die Reden am 1. August-Funken gehören da auch dazu, die  nehmen wir – nachdenklich – auch noch mit! Aber im Vordergrund steht die Lebensfreude!

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In Arosa – die etwas andere 1. August-Rede!

Aber zurück in Arosa – hier findest Du komplett alles, was es für unseren Nationalfeiertag braucht. Hier wird nichts ausgelassen. Vom Brunch beim Bauern, über Wanderungen inkl. Weitblick, den Grill am Abend, den Lampion-Kinderumzug, Höhenfeuer bis zum mit Musik untermaltem Feuerwerk.  Eines ist aber anders – die 1. August-Rede unten am Postplatz. Wenn Du eine politische Rede erwartest, dann gehe einfach nicht hin. Denn hier in Arosa steht irgend ein Typ auf dem Podium, den sich die Gemeinde vom Aroser Humorfestival ausgeliehen hat und Klartext redet. Weniger über Politik und Geschichte, dafür über uns, die da mit einem Schweizer Papierfähnchen auf dem Postplatz stehen und winken!

Dieses Jahr hat man einen Musiker, Erzähler und Schauspieler vom Humorfestival ausgeliehen  – Philipp Galizia. Er gehört zu den Originalen in der Schweizer Kleinkunstszene. Der gelernte Kontrabassist arbeitete ab 1993 beim schrägen Volksmusikunternehmen Familie Trüeb und sammelte später beim Pfannestil Chammer Sexdeet Erfahrungen für seine Solokarriere. Philipp Galizia ist ein begnadeter Erzähler, dem minimalste Gestik genügt. Das sollte für eine Rede zum 1. August 2016 reichen!

 Swissness is everywhere!

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1. August Rede in Arosa – Rednerin ausgeliehen vom Humor Festival. 2014 war es Frölein DaCapo …

 

Zum Schluss: natürlich muss es Schweizer Wein am Nationalfeiertag sein!

Ein Sommelier gab in der NZZ (www.nzz.ch) vor einiger Zeit noch die ultimative Empfehlung, welchen Wein man am 1. August ausschenken sollte:

Zum Apéro gibt es einen frischen Schaumwein aus dem Tessin. Die Vorspeise wird von einer weissen Walliser Spezialität begleitet: Petite Arvine besitzt die besten Anlagen. Zum Hauptgang vom Grill kredenze ich einen dezent im Barrique ausgebauten Pinot noir aus Schaffhausen. Schliesslich zum Dessert bietet sich ein Süsswein aus der Waadt an, wo nicht nur Chasselas angebaut wird. Mit einem Viergänger können Patrioten schon fast einen Freund-eidgenössischen Kompromiss eingehen: Vier der sechs Anbaugebiete sind vertreten.

Wechsle doch einfach einer der Weine durch einen aus der Bündnerherrschaft aus, dann passt es doch!

Also viel Spass am 1. August 2016!

 

 

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(Archiv 2015; Refresh 31.7.2016)

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