Erzhornsattel – alpine Wanderung

Arosa wird von Bergsteigern eher wenig besucht. Obwohl es hier einige mächtige Berge hat, auch mit anspruchsvollen Kletter-Routen. Aber den Bergsteigern fehlt verständlicherweise in den Plessurer Alpen die Gletscher und Berge über der Dreitausendmetermarke. Obwohl das Aroser Rothorn mit 2´980 müM an dieser Marke kratzt. Wie auch immer, sind die Plessurer Alpen eher etwas für Bergwanderer und Berggänger. Für diese gibt es dafür mit dem Auftstieg auf den Erzhornsattel eine richtige „alpinistische Herausforderung“! Eine sehr schöne Tour. Ganz ohne Kletterei.

Erzhornsattel Arosa-1040373

Ich habe lange gezögert diese Route zu begehen. Einerseits verlangt diese Tour doch etwas an Kondition ab, andererseits war ich mir nie sicher, was beim Erzhorn wirklich Sache ist. Berggänger die diese Route gegangen sind berichteten unterschiedliches: von „easy, kein Problem“ bis zu „oben ist es ganz gefährlich“! Da ich in den Bergen meine Grenze kenne, also nicht ganz schwindelfrei bin, lasse ich solche Sachen eigentlich eher unversucht. Und doch reizte mich und meine Frau diese Tour und wir beschlossen diese in den Angriff zu nehmen. Und wenn es uns zu schwierig wird, dann können wir ja immer noch umkehren.

Erzhornsattel Arosa-1040404

Mein Fazit nach der Tour ist, dass diese alpine Route bei trockenen Verhältnissen ohne grössere Schwierigkeiten zu bewältigen ist. Im letzten Abschnitt vor dem Erzhornsattel verläuft in recht vielen Kehren  ein schmaler, steiler Steig hinauf. An dieser Schlüsselstelle ist in erster Linie „Puste“, Konzentration und Trittsicherheit gefragt. Aber für einen Bergwanderer sehr gut zu machen. Auch hatte ich nie Angst oder bin an meine Grenzen gestossen.

Der Abschnitt hinauf zum Erzhornsattel und dann hinunter zur Ramozhütte ist die einzige weiss/blau/weiss-markierte Route im Gebiet von Arosa. Die Höhendifferenz vom Älplisee hinauf zum Sattel beträgt knapp 600 Meter, hinunter zur Ramozhütte sind es dann noch 450 Höhenmeter.

Wie bereits sein Name verrät, wurden am Erzhorn wie an den Rothörnern, dem Guggernellgrat und am Tschirpen im Mittelalter Eisenerze sowie andere Bodenschätze abgebaut und in den Schmelzöfen in der Isel bei Arosa verhüttet.

Ein ausführlicher Tourbericht folgt am Schluss dieses Post. Jetzt wieder ein paar Fotos der Highlights dieser Route, denn davon gibt es wirklich viele. Vorallem hatten wir am Tag dieser Tour einfach herrliches Bergsommer-Wetter!

Älplisee

Erzhornsattel Arosa-1040190

Der Älplisee ist auf 2’156m gelegen und gilt als einer der schönsten Seen im Kanton Graubünden.

Der Aufstieg

Erzhornsattel Arosa-1040250

Erzhornsattel Arosa-1040301

Beim Aufstieg zum Erzhornsattel sind einige anstrengende Höhenmeter zu bewältigen, begleitet von einem unbeschreiblichen Panorama.

Das Ziel – der Erzhornsattel

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Hier auf dem Erzhornsattel steht man auf 2744 müM. zwischen dem mächtigen Erzhorn und dem fast „dreitausender“ Aroser Rothorn. Und mit einem grossartigen Panorama!

Erzhornsattel Arosa-1040387
Blick vom Erzhornsattel in Richtung Arosa
Erzhornsattel Arosa-1040388
Blick in Richtung Arosa (links) – im Vordergrund das Erzhorn.
Erzhornsattel Arosa-1040389
Blick in Richtung Alp Ramoz (Gemeinde Alvaneu)
Das Bernina-Massiv

An einem solch klaren Tag hat man einen Fernblick bis zum Bernina-Massiv, dessen Gipfel über 4000 müM hoch sind.

Erzhornsattel Arosa-1040390

Der Abstieg

Erzhornsattel Arosa-1040477

Der Abstieg führt über die Alp Ramoz – Einsamkeit in einer wunderschönen Bergwelt.

Ramoz-Hütte

Erzhornsattel Arosa-1040542

Irgendwann taucht die Ramoz-Hütte unter uns auf. Die SAC-Hütte ist unbewirtet und liegt am Fusse des Erzhorns auf einer Höhe von 2’293 müM. Das Gebiet gehört zur Gemeinde Alvaneu. Über die Hütte gibt es demnächst einen eigenen Post.

Welsch-Tobel

Erzhornsattel Arosa-1040631

Tobel? Der Name verwirrt, das Welsch-Tobel ist ein mächtiges, langgezogenes Gebirgstal – durch dieses Tal kommt man runter nach Arosa.

Alteiner Wasserfälle

Am Schluss der Tour – kurz vor Arosa – sieht man auf der anderen Talseite die schönen Alteiner Wasserfälle.

Erzhornsattel Arosa-1040770

Viel Flower – Power auf der Tour …

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Tour-Verlauf und Bericht

Von Innerarosa folgt man einfach weiter der Strasse, welche den Ort bis zum Ende durchquert, wobei man dem Wanderweg-Weiser Richtung Schwellisee, Älplisee folgt. Ein guter Weg (Schottersträsschen) führt zum glasklaren Schwellisee. Der Weg führt links weiter hoch bis zu den „Arven“. Dort überquert man die junge Plessur. Nun geht ein Pfad weiter in Richtung Älplisee – einer der schönsten Seen Graubündens. Und für mich ein tolles Fotomotiv: Sei es das direkt über dem See aufragende Älplihorn oder der See mit dem  leuchtendn Rothorn im Hintergrund.

Erzhornsattel Arosa-1040199
Vor dem Aufstieg – das Rothorn im Hintergrund wird uns ständig begleiten.

Der See wird rechts umgangen und nach kurzer Zeit gabelt sich der Pfad. Wiederum dem linken Pfad und den blauen Markierungen folgend, gelangt man nach kurzem Zwischenabstieg und einer weiteren Überquerung der Plessur in eine Schuttwüste mit etwas spärlichen blauen Markierungen. Etwas weiter oben ist der Weiterweg zum Erzhornsattel aber wieder leicht auszumachen und nicht zu verfehlen. Nun folgen 400-500 anstrengende Höhenmeter in steilem Geröll.

Erzhornsattel Arosa-1040379
Das Ziel – der Erzhonrsattel – ist erreicht.

Anfänglich geht es einfach geradeaus hinauf, dann macht der schmale Steig recht viele Kehren. Und dann steht man endlich oben auf 2744 müM! Zwischen dem mächtigen Erzhorn und dem „fast dreitausender“ Aroser Rothorn.

Erzhornsattel Arosa-1040400

Wenn man genügend alpinistische Erfahrung und Ausrüstung mit bringt, kann man von hier aus das Aroser Rothorn oder das Erzhorn besteigen. Für mich ist der Erzhornsattel Ziel und entschädigt den stapaziösen Aufstieg mit einer herrlichen Fernsicht – das imposante Bernina-Massiv taucht vor uns auf. Der Blick ist grandios – allerdings wollen wir noch ein gutes Stück weiter und darum steigen wir vom Erzhornsattel runter zur Ramozhütte (unbewirtete SAC Hütte). Dieser Weg ist zwar noch blau-weiss markiert, aber entspricht schon eher einem normalen Bergwander-Weg.

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Auch der Abstieg bleibt weiss-blau-weiss markiert …

Nach kurzer Pause in der Ramoz-Hütte geht unsere Rundtour weiter durch das Welschtobel (rot weisse Markierung).

Erzhornsattel Arosa-1040608
SAC Hütte auf der Alp Ramoz

Wenn ich durch das Welschtobel wandere dann denke ich, wer ist wohl auf diese Idee gekommen, dieses lange, mächtige und wilde Bergtal als Tobel zu bezeichnen? Welsch macht dagegen wieder Sinn – „Welsch“ oder die „Welschen“ war früher eine Bezeichnung für „Anders-Sprachig“. So kennen wir in Chur auch das „Welschdörfli“ oder bezeichnen heute noch die Romands auch als „Welschen“. Und hier in den Plessurer-Alpen war man bereits im „Grenzgebiet“ zwischen den Walsern und den Rätromanen.

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Blick auf das Schiesshorn
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Hängebrücke

Irgendwann tauchen dann die Alteiner Wasserfälle auf und wir erreichen die Isel. Von dort gibt es als Zugabe nochmals rund 200m Höhenmeter hoch und so erreichen wir Arosa. (Oder den Bus am Strandbad Untersee) Am Schluss  zieht sich die Strecke etwas hin und nach knapp 7 Stunden reiner Wanderzeit sind wir doch eher geschafft!

Erzhornsattel Arosa-1040788
Schöne Chalets in Arosa …

Die Rund-Tour Arosa – Älplisee – Erzhornsattel – Ramozhütte – Welschtobel – Arosa ist mit einer Distanz von rund 17km „offiziell“ angegeben. Mein eigener „Tracker“ hat am Schluss 22 km angeben, dies hat sicherlich damit zu tun, dass wir etwas anders von Arosa aus gestartet sind, als hier angegeben. Aber 17km scheint mir dann doch fast etwas wenig. Die reine Gehzeit lag bei uns etwas unter 7 Stunden – allerdings verlieren wir sowieso immer viel Zeit gegenüber den offiziellen Angaben, da ich doch viel am fotografieren bin. Die reine Gehzeit liegt für normale Wanderer bei ca. 6.5 Stunden. Beim Aufstieg „macht“ man ca. 1200 Höhenmeter, beim Abstieg sind es ebenfalls ca. 1‘200 Höhenmeter. Der „Höhepunkt“ – also der höchste Punkt der Wanderung – ist auf dem Erzhornsattel mit 2‘744 Meter über Meer erreicht. Meine eigene „Aster“-Messung hat sogar noch ganz leicht mehr gegeben – die kam nämlich auf 2‘757 Meter über Meer. Der „Tiefpunkt“ ist dann unten in der Isel – hier sind es dann noch 1‘641 Meter über Meer.

Für Kinder ist zu prüfen, ob diese Tour geeignet ist. Wenn man genügend Erfahrung hat, empfiehlt es sich vielleicht auf der letzten Passage (vom Älplisee herkommend) kurz vor dem Erzhornsattel die Kinder an einem stabilen Sicherheitsseil zu führen. (Zweier- oder Dreier Seilschaft)

Erzhornsattel Arosa-1040619
idyllische Landschaften

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

Ein Kommentar zu „Erzhornsattel – alpine Wanderung

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