Von Grittibänzen und Elggermannen

In diesen Tagen – vorallem aber heute am Samichlaus-Tag – bekommt man bei uns in der Schweiz wieder die feinen Grittibänzen. In unserem Haus haben wir ja eine gute Fee, die hat schon gestern Abend die feinen Grittibänzen gebacken und wir alle haben wieder etwas davon abbekommen. Was für eine tolle Überraschung!

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Der Teigmann hat in meiner „Heimat“ früher noch Elggermann geheissen. Gehört habe ich, dass man in Deutschland das Gebäck in einzelnen Regionen unter dem Namen Stutenkerl kennt …

Der Grittibänz ist in der ganzen Schweiz sehr beliebt und gehört in die Vorweihnachtszeit. Bei den Berner Brotforschern bin ich auch auf die Geschichte des Grittbänz gestossen:

In alten Zeiten zogen am 6. Dezember die Schüler – an der Spitze ein als St. Nikolaus verkleideter Knabe – in einem Umzug durch die Strassen. Am Schluss bekam jeder Schüler einen „Bolwecken“, das heisst einen Wecken aus Weissmehl.

Im Nikolausspruch des Zürchers Bullinger, vom Jahre 1546, heisst es:

„Der Felix nehm zem ersten s’Horn,
das Fröwli esse er erst morn“.

Das Horn war ein Gebäck aus Weissmehl (es sah wie ein Steinbockhorn aus), dass 1951 in der Zürcher Landgegend noch aufzufinden war. Das „Fröwli“ (Fraueli) war der älteste schweizerische weibliche „Grittibänz“.

Der Name „Chriddibränz“, für ein Gebäck in Mannsform, so wie wir es heute kennen, taucht erstmals im Aargau Anno 1857 auf, und zwar in folgendem Text: „Wir haben aber ein Festbrot, in Mannsform gebacken, Namens Chriddibänz“. Er war damals schon weit verbreitet. In einem Kalender von 1860 heisst es unter anderem: „S’Liseli das springt und rönnt und hed bim Usezieh, wie trurig, em Bänz es Hängli (Händchen) fasch verbrönnt“,  sowie im gleichen Jahr: „Mach Wegge, Züpfe und Grittibänze“.

Anno 1877 stand im schweizerischen Dorfkalender geschrieben: „Den Kindern, wenn sie folgen, ein Grittibänz…“. In den Jahren um 1860 waren die Grittibänzen 15 bis 60 cm gross und wurden aus Lebkuchen – oder feinerem Brotteig hergestellt.

Wie verhält es sich nun mit den Namen Grittibenz? „Gritte, grittle, grättle“ bedeutete die gespreizte Stellung der Beine. „Benz oder Bänz“ war der Kurzname für Benedikt. Dieser Vorname war damals so geläufig wie Hans und „Heiri“ und wurde so verallgemeinert, dass man ihn für einen „Maa“, also Mann, gebrauchte.

Der Sinn des Namens Grittibenz war also ganz einfach: ein (alter) Mann mit gespreizten Beinen und bezeichnete nicht den schönen Nikolaus, sondern den Schmutzli oder Knecht Ruprecht, der ursprünglich eine heidnische Gestalt, mit strengem Gehabe, der finsteren Weihnachtszeit war. Bei der Christianisierung wurde er zum Untertan, zum Knecht des christlichen Bischofs St. Nikolaus gemacht, der gütig und fürsorglich war.

Quellen: Fachschule Richemont; Dr. h.c. Max Währen (Berner Brotforscher)

Fast überall in der Schweiz findest Du die Grittibänzen auch morgen noch in den Bäckereien.

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