Happy Birthday Switzerland, Wilhelm Tell und deutsche Bratwürste

Auf meinem Blog hat es ein bisschen Tradition, dass ich zu unserem Nationalfeiertag etwas Swissness verbreite. Der Geburtstag der Schweiz geht auf eine Mythologie zurück, verkörpert durch die „Drei Eidgenossen“ und Wilhelm Tell. Es sind die „Drei Eidgenossen“ die am 1. August 1291 jenen denkwürdigen Satz besiegelten, der am Anfang unserer Demokratie steht: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern und Schwestern. In keiner Not uns trennen und Gefahr.“ Und es ist der Pfeil Wilhelm Tells der in symbolischer Weise unsere Ketten gesprengt hat. Der Alpenjäger, Abenteurer und Nationalheld Wilhelm Tell stelle ich in meinem 1. August Post in den Mittelpunkt. Inspiriert von der tollen Freilicht-Aufführung Schillers „Wilhelm Tell“ des Theater Konstanz. Eine grenzüberschreitende Betrachtung unseres Nationalhelden. 

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Happy Birthday Switzerland! Der 1. August ist der Nationalfeiertag in der Schweiz.

Das Tyrannenmörder-Drama des deutschen Dichterfürsten Friedrich Schiller wird in diesem Sommer auf dem Münsterplatz in Konstanz aufgeführt. Der Schweizer Nationalmythos um Wilhelm Tell und den Rütlischwur als grosse Freilichtinszenierung toll in Szene gesetzt. Friedrich Schillers letztes Drama zeigt das Widerstandsrecht und die Selbstbestimmung der Bevölkerung auf. Man könnte fast meinen, dieses Thema wäre gerade aktuell in dieser Stadt, welche sich bedingungslos der Invasion von Schweizer Einkaufstouristen unterwirft.  Es stellt sich die Frage, trägt nicht dieser Wilhelm Tell (und die 3 Eidgenossen in der Schweizer Nationalbank) die Verantwortung für den heutigen Einmarsch in Konstanz von über 40’000 Schweizer Autos? Einkaufs-Legionäre, die an ihrem freien (Nationalfeier-) Tag ihre 6-Zylinder satteln und diese wunderschöne Stadt einnehmen. Abends, vollgepackt mit ihren Einkäufen, ziehen sich die Invasoren zurück und feiern ihre 1. August Partys – mit feinen, günstigen Bratwürsten und einem richtigen Bier „Made in Germany“. Wilhelm Tells Invasoren hinterlassen viele Spuren in dieser Stadt. Wenige die davon profitieren, viele – auf beiden Seite der Grenze – die mit einem Stück Identität und Lebensqualität dafür bezahlen. 

Dieses Stück auf dem Münsterplatz aufzuführen – gewollte Ironie des Theater Konstanz? Oder einfach den „butterfly effect“ übesehen? 

„Was Hände bauten, können Hände stürzen“ (aus Wilhelm Tell, Schiller)

Diese Inszenierung  auf dem Münsterplatz war „werkgetreu“ modern, kurzweilig und spannend interpretiert.

Zurück zur Geschichte von Wilhelm Tell, wie diese von Schiller verfasst wurde. Eines Tages stieg unser Nationalheld und Alpenjäger mit seinem Sohn Walterli herunter ins Tal nach Altdorf. Dort angekommen widersetzt er sich den Hut des Landvogtes zu lobpreisen, gerät mit diesem sofort in Streit. Der mächtige, kaltblütige Landvogt befiehlt dem schockierten Wilhelm Tell mit seiner Armbrust einen Apfel von seines Sohnes Kopfes zu schiessen. (Wo war damals eigentlich die KESP* ?)  Willhelm Tell bestand die Aufgabe, sein Sohn Walterli blieb unversehrt. Nun hatte sich Tell als Option heimlich einen zweiten Pfeil eingesteckt. Dies wurde ihm sofort als Attentatsversuch auf den Vogt ausgelegt. Aller helvetischen Kompromiss-Versuche zum trotz, Willhelm Tell wurde verhaftet. Auf der Fahrt über den See kam ein grosses Unwetter auf, was Tell die Flucht ermöglichte. Von Rache getrieben kehrte er zurück – ein gezielter Schuss und Wilhelm Tell löscht die tyrannische Herrschaft des Vogts ein für alle mal aus. Für das Volk – welches sich kurz zuvor auf einer Bergwiese verbündete um gemeinsam gegen die Ausbeutung und Drangsalierung anzukämpfen – der Startschuss für ihren erfolgreichen Freiheitskampf.

Vorne Wilhelm Tell (Thomas Fritz Jung, l) und der Landvogt Gessner (Ralf Beckord, r), der den Apfelschuss befiehlt

Friedrich Schiller verfasste sein Drama aufgrund von historischen Überlieferungen, während er in der Figur von Wilhelm Tell seine Idealvorstellung eines Freiheitskämpfers hinein setzte. Historisch wird es etwas schwieriger Beweise für die Existenz Tells zu finden. Vermutlich hiess der Mann gar nicht Tell. Allerdings gab es im Landadel von Uri eine Familie namens „vom Thal“, von dem der Name Tell später abgeleitet sein könnte. Im Jahre 1300 hiess das Familienoberhaupt allerdings Conrad und nicht Wilhelm – und Conrad zahlte pünktlich seinen Zehnten. Unser Nationalheld scheint somit aus dem Reich der Mythen zu kommen. In anderen Regionen Europas (z.B. Dänemark) bestanden zudem vergleichbare Typen den Apfeltest – darauf bauten sich viele Legenden, die dazu dienten Eigenschaften wie Treffsicherheit, Leidenschaft und Menschlichkeit fassbarer zu machen.

Insenzierung Theater Konstanz: Anstatt Alpenkitsch dient ein Berg von Parkbänken als Kulisse

Wilhelm Tell könnte existiert haben. Vielleicht nicht so wie in Schillers Drama, vielleicht ist die Suche nach der Existenz gar unwichtig. Wilhelm Tell – ob echt oder ähnlich – ist heute ein Teil unserer Grundhaltung, unseres „swiss way of life“! Gemalt an der Figur wurde schon immer, seit über 700 Jahren. Gemalt an ihm wurde auch in Konstanz und dort passt Wilhelm Tell im Moment sehr gut hin.

Ich wünsche Euch einen schönen Nationalfeiertag. Happy Birthday Switzerland! Und Grüsse nach Konstanz am Bodensee.

Michael

 

P.S. Am 17. März 1804 ging in Weimar Schillers «Wilhelm Tell» zum ersten Mal über die Bühne. Damals stand es schlecht mit der alten Freiheit der Schweiz. Unser Land war zu dieser Zeit ein Protektorat Napoleons. Der Gedanke von Schiller, Napoleon mit Gessler gleichzusetzen, lag nahe. Übrigens war damals Konstanz als Hauptstadt für den Kanton Thurgau im Gespräch.

 

*KESP = Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden

Quellen: Diverse, dieser Post hat nicht Anspruch historisch, literarisch oder politisch exakt zu sein. Dafür stehen viele andere Quellen im Internet zur Verfügung. 

Urheber Schweizer Kreuz auf Holz: pockygallery / 123RF Lizenzfreie Bilder, alle anderen Bilder „Michal’s Beers & Beans“

3 Kommentare zu „Happy Birthday Switzerland, Wilhelm Tell und deutsche Bratwürste

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