Fotografie Nordlicht – ein kleiner Ratgeber

Das Nordlicht zu fotografieren ist eine spannende Herausforderung – hier wird das Können und die Beherrschung der eigenen Kamera zentral. Sollte man die Chance bekommen, das Nordlicht zu sehen, hat man keine Zeit mehr „herumzupröbeln“. Dann muss einerseits die eigene Amateur-Foto-Ausrüstung à jour sein, andererseits sollte man die Kamera in der Dunkelheit beherrschen. Aber was ist die richtige Ausrüstung? Und wie krieg ich das grüne Licht überhaupt auf den Sensor? Nachfolgend meine Erfahrungen und Tipps als Leitfaden für eine erfolgreiche Polarlicht-Fotografie.

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Das Nordlicht ist eindeutig ein „Fotografen-Ding“, denn es macht wirklich Spass die Nordlichter zu fotografieren. Interessant ist, dass die Kamera die Aurora Borealis „wahrheitsgemäss“ grün, farbig aufgezeichnet hat, während ich mit meinem Auge die Nordlichter weiss, grau – bei stärkeren Erscheinungen leicht grünlich wahr genommen habe. Daher kann es bei „Nicht-Fotografen“ zu Enttäuschungen kommen, wenn man die Lichterscheinung nicht knallig leuchtend grün, sondern in Natura nur grau- weiss oder pastellfarben türkis sieht. Darüber habe ich einen Post geschrieben: Mein erstes Nordlicht sah ich weiss, nicht grün …

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faszinierende Nordlichter (Lofoten, September 2016)

Schnell habe ich gelernt, dass tolle Aufnahmen von Nordlichtern nur mit einer guten Kamera-Ausrüstung möglich ist, die mindestens folgende drei Voraussetzungen mit sich bringt:

  • lichtstarkes Weitwinkel-Objekt
  • Kamera mit grossem Sensor (4:3, Vollformat oder APS-C, was ich eingesetzt habe)
  • rauscharme, hohe ISO Werte

Sehr wichtig für gute Fotos ist in erster Linie ein sehr gutes – also ein lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv. Ein solches Objektiv mit einer Lichtstärke von < 2.8 geht auch heute noch richtig ins Geld. Da ich ein lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv in der Regel nicht einsetze, habe ich für die Dauer meiner Reise ein solches gemietet.

Ich nehme schlussendlich folgende Ausrüstung für die Reise an den Polarkreis mit. Natürlich sind auch Objektive für die Landschaftsfotografie dabei.

  • Nikon D7100
  • Nikon AF-S 14-24mm f/2.8 G ED (gemietet)
  • Nikon AF 18-105mm f/3.5-5.6G Nikkor-Objektiv
  • Nikon AF Nikon 70-210mm f/4-5.6 (mein Oldtimer, aber geht)
  • Panasonic Lumix DMC-FZ 1000 f/2.8 (mit Leica 24 – 400mm, als Ersatzkamera)
  • robustes Stativ (sollte auch starken Winden widerstehen)
  • Funk-Fernauslöser (in der Winter-Kälte von Arosa ausgetestet)
  • Filter, Akkus, SD-Karten, kleine Taschenlampe mit Rotlicht,  usw.
  • Notebook mit Lighroom, IPad

Alles muss in meinen Fotorucksack passen ….

Hier fehlt noch das Wichtigste – das Nikon-Objektiv AF-S 14-24mm f/2.8 G ED

Die Kälte kenne ich aus den Wintermonaten in Arosa (1800 müM), diese ist beim Fotografieren nicht zu unterschätzen. Wenigstens weiss ich, dass meine Nikon dies aushält. Somit gehen natürlich auch warme Kleider ins Gepäck, vorallem  Handschuhe, bei denen ich weiss, dass ich damit in der Kälte die Kamera manipulieren kann. Unterschätze die Kälte nicht – in den nördlichen Länder kommt meistens ein starker Wind hinzu. Daher sollte das Stativ stabil sein. Es lohnt sich einmal zu Hause in einer ganz kalten Nacht raus zu gehen und alles auszutesten, auch den eigenen „Workflow“.

Allerdings bevor Du Dir jetzt sofort eine teure Kamera kaufst, solltest Du überlegen, ob vielleicht auch eine kompakte Kamera dafür taugt. Denn für schöne Schnappschüsse kann eine gute oder hochwertige Kompaktkamera gut geeignet sein. Am Schluss dieses Post gehe ich nochmals mit Tipps auf dieses Thema ein.

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Nordlichter „regnen“ über die Lofoten (Bild September 2016)

Profis fotografieren natürlich im RAW-Format, damit bei der Nachbearbeitung keine Qualitätsverluste auftreten. Meine Kamera (Nikon D7100)  habe ich einfach so eingestellt, dass beide Formate – also RAW und JPEG – abgespeichert werden. Die Nachbearbeitung in JPEG ist aus meiner Sicht einfacher und aus meinen den Bildern hätte ich aus dem RAW-Format nur unwesentlich mehr rausgeholt. Aber zugegeben, hier bin ich etwas faul …

Die Nordlichter erhellen den Himmel nicht, es ist eine schwache Lichterscheinung. Somit fotografiert man nachts, also ist es logischerweise dunkel. Damit gibt es nur eines rauf mit dem ISO Wert. Für mich war ISO 1000 bis ISO 1600 ein guter Richtwert. Hier muss man einfach auf das Rauschverhalten aufpassen. Bei schwachen Lichter habe ich doch ein stärkeres Rauschen festgestellt. Diese Bilder konnte ich aber in Lightroom und/oder NoiseNinja gut entrauschen, auf ein verträgliches Mass reduzieren.

Schwierig wird es etwas mit der Schärfe. Der Autofokus ist nachts ziemlich auf verlorenem Posten, daher habe ich diese Funktion ausgeschaltet. Die manuelle Scharfstellung ist etwas tückisch, denn diese sollte per Hand auf Unendlich eingeschaltet werden. Gerade wenn man Positionswechsel mit der Kamera vornimmt, kann es sein, dass die Einstellung verstellt wird. Hier immer wieder kontrollieren, nicht dass man nachher unscharfe Bilder hat. Dafür braucht man eine Taschenlampe.

Belichtung habe ich in der Einstellung M (steht für manuell) vorgenommen, also Blende und Zeit von Hand eingestellt. Ob die Belichtung in Ordnung war, habe ich jeweils über das Histogramm im Display kontrolliert.

Die beste Belichtungszeit für Nordlichter ist die kürzest mögliche. Die vorhandene Kamera bestimmt die Grenzen des Machbaren, bei mir war dies so im Zeitenbereich zwischen fünf und fünfundzwanzig Sekunden. Dies ist abhängig von der Stärke des Nordlichts, dem Mondschein oder sonstiges Restlicht. Länger wie dreissig Sekunden habe ich nicht belichtet, da aufgrund der Erddrehung die Sterne seltsam oval werden oder zu Strichen mutieren.

Das nachfolgenden Bild ist mit der Belichtungsmethode M, Blende f=2.8, ISO 1250 und 15 Sekunden aufgenommen worden.

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Nordlicht über dem Eyjafjörður (Island 2015)

Unbedingt sollte man das richtige Zubehör dabei haben: Funk- oder Kabelauslöser, Stativ (sollte robust sein, den der Wind in Island rüttelt ganz schön am Stativ) und eine kleine Taschenlampe, damit man in der Dunkelheit die Einstellungen immer überprüfen kann.

Tipp: Nordlichter mit einer Kompaktkamera

Wenn man im Besitz einer etwas hochwertigen Kompakten ist, dann kann man auch ganz gute Nordlicht-Fotografien machen. Wichtig ist, dass man die ISO raufschrauben kann, ohne die Bilder verrauschen zu lassen. Mit einer günstigen Kompaktkamera oder dem Smartphone ist hier wenig zu machen. Auch hier gilt je grösser der Sensor umso besser. Mit einer Canon Powershot G-Reihe, Sony Cyber Shot RX-Reihe oder auch einem Reisezoomer (wie z.B. Panasonic Lumix FZM 1000 / FZM 2000) gelingen überraschend gute Bilder. Ich habe mit der Pananonic DMC-TZ101 ein paar Probeaufnahmen gemacht und war über das gute Ergebnis erstaunt. Etwas „hinderlich“ ist, dass diese Kamera eine Brennweite von 27 – 270mm hat, damit erreicht man das Ziel mit dem Weitwinkel so viel Himmel wie möglch abzubilden, nicht. 

Auch die Kompaktkamera gehört auf ein standfestes Stativ, wobei ein flexibles Stativ wie eines der bekannten GorillaPods von Joby ausreicht. Hat man keines dabei, nimmt man ein kleines Kissen mit und sucht sich eine Mauer, so lässt sich mit etwas Kreativität etwas brauchbares zusammenbasteln.

Mit der Kompaktkamera werden die Nordlicht-Fotografien am besten bei Mondschein, wenn also die Umgebung erleuchtet ist. Dann ISO rauf, auch hier irgendwo zwischen ISO 1000 und ISO 1600, Einstellung auf M, Blende voll auf und Zeit einmal auf 20 Sek einstellen. Somit hat man ein Referenzfoto, von dieser Aufnahme her kannst Du dann die Einstellung ISO und Belichtungszeit ändern, bis Du eine Einstellung gefunden hast. Etwas vorsichtig bitte bei der Prüfung über den Display – diese sind bei den Komapkten relativ klein und hell und lassen die Bilder allenfalls heller erscheinen als diese in der Realität sind.

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Nordlicht und Wolken (Island Oktober 2015)
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Nordlicht im Mondschein (Island Oktober 2015)
grün und rotes Nordlicht, aufgenommen in der Abenddämmerung (Lofoten, September 2016)

Faszination Polarlicht by Michael’s Beers&Beans! Alle meine Berichte zum Nordlicht findest Du hier.

Die verwendeten Bilder sind alle im Oktober 2015 auf Island sowie im September 2016 auf den Lofoten entstanden (Fotos by Michael’s Beers & Beans)

Quellen: eigene Erfahrungen in Island und Norwegen, dabei habe ich Tipps von Fotografen, aus Fotomagazinen und aus dem Internet umgesetzt, die ich zum Teil hier wiedergegeben haben.

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