Mit einem Lada Niva 4×4 in den 1980er „around Iceland“

Als ich vor 2 Jahren meine Reise nach Island vorbereitet habe, bin ich auf alte Fotos meiner ersten Reise in Island gestossen. Damals – in den 1980er Jahre – fuhr ich auf der „Ringstrasse“ mit einem gemieteten Lada Niva 4×4 rund um Island. Auf abenteuerlichen Wegen – ein wirkliches Strassennetz ausserhalb der Hauptstadt gab es noch nicht, die „Ringstrasse“ war eher eine „gute Piste“. Und Abstecher ins Hochland waren wirklich beschwerlich und zum Teil nicht ungefährlich, dort war Hilfe weit weg.

Im Lada Niva 4×4 rund um Island

Mobile Telefone gab es damals noch nicht und der Begriff „Off-Road“ war uns unbekannt. Wir trugen Levi’s-Jeans, hatten Walkman’s dabei, die „neue Deutsche Welle“ rauschte über uns hinweg. Und der Twix hiess Raider. Die harten Typen rauchten Marlboro, die „gesundheitsbewussten“ Barclay. Und mit dem Lada Niva gab es einen günstigen, kleinen Geländewagen – dieser hatte einen Anteil von 40% Prozent am Geländewagenmarkt in Deutschland. In Island war er damals fast ein Volkswagen.

Ein Auto zu mieten war in den 1980er auf Island eine kostspielige Angelegenheit, die richtigen Geländewagen wie ein Land Rover (Defender) waren für uns unerschwinglich. Wir hatten vor Ort irgendwie einen Vermieter gefunden, der uns einen Lada Niva 4×4 zur Verfügung stellte. Bald würde sich herausstellen, dass dies genau das richtige Auto für uns war.

Aber am Anfang hatten wir schon Zweifel, ob wir mit diesem „Russen“ weit kommen würden.  In den ersten Tagen übernachteten wir in einem Guesthouse in Reykjavik –  auf dessen Parkplatz standen die von den anderen Gästen gefahrenen Fahrzeuge wie Unimog, Pinzgauer, MAN 6X6 Lastwagen, Land Rover, usw. Hier waren wir mit unserem kleinen Lada fehl am Platz und die Typen dieser Fahrzeuge machten sich lustig über uns. Später erfuhren wir, dass der Unimog-Fahrer es in 5 Wochen nicht weiter als 100 km schaffte – diverse Defekte zwangen ihn immer wieder zurück nach Reykjavik. Dort beschäftigte er sich damit fehlende Ersatzteile zu beschaffen oder eher endlos darauf zu warten. In dieser Zeit fuhren wir pannenfrei und fröhlich rund um die Insel.

Was wir nicht wussten, der Lada Niva stellte in den 1980er Jahre die technologische Speerspitze im Geländewagenbau dar:  1,6-Liter-OHC-Motor mit ca. 70 PS, Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen vorn, Längslenker-Starrachse mit Schraubenfedern hinten. Ausgerüstet mit permanentem Allrad fuhr er der Geländewagen-Elite davon. Ein emotionsfreier Geländewagen – genau richtig für die Pisten in Island.

Auf der Reise entwickelte sich der Lada Niva für uns schnell zum verlässlichen Kumpel und brachte uns in die unglaublichen Landschaften von Island, trug dazu bei, bei mir den Island-Virus zu setzen.

ERINNERUNG 80S: IM LADA NIVA 4×4 „AROUND ICELAND“

Der Motor des Lada Niva lief laut, das ganze Ding gab immer irgendwelche rumpelnde Geräusche von irgendwoher ab. Das Getriebe kreischte andauernd vor sich hin. Die Lenkung setzte die Befehle des Fahrers mehr oder weniger um. Und bei Tempo 100 km/h (was wir vermutlich nur einmal erreicht haben), klappten die Seitenspiegel vom Fahrtwind ein.

Das Zündschloss lag wie beim Landie links, das „Cockpit“ machte damals schon den Eindruck eines Oldies.

Aber sobald es ins Gelände ging oder auf den langen, ruppigen Pisten der Ringstrasse war er für uns einfach das richtige Auto. Er verfügte über zwei „Gelände“-Schalthebel. Der im Strassenbetrieb offene permanente Allrad liess sich mit einem Ruck am vorderen Hebel sperren, ein etwas kräftiger,  kurzer „Schlag“ auf den  hinteren Hebel aktivierte die Geländeuntersetzung. Diese getrennt schaltbare Mittelsperre hat der Lada Niva bis heute dem grössten Teil der Geländewagen und SUV’s voraus. Diese führt dazu, dass man auch in der Untersetzung ohne Verspannungen im Antriebsstrang enge Passagen befahren konnte. Und genau dies war ein riesiger Vorteil gegenüber den schweren und grossen Geländewagen jener Zeit.

Dazu kam eine bemerkenswert gute Verschränkung der Hinterachse, welche den Lada Niva lange alle Viere auf dem Boden behalten liess. Eine elektronische Traktionskontrolle gab es natürlich nicht. ABS unbekannt. Sein geringes Gewicht und seine vergleichsweise hohe Bodenfreiheit liess uns auf den ruppigen Jeep Tracks weiterkommen, wo andere, schwere Geländewagen zur Aufgabe gezwungen wurden. Allerdings grobe Hindernisse und tiefe Löcher musste man mit ihm besser umfahren. Langsames, gefühlvolles kraxeln war trotz Untersetzung angesichts des schwachen Motor nicht drin. Anlauf war gefragt. Und dann meldete sich die Kupplung schnell mit einem beissendem Geruch.

ERINNERUNG 80S: IM LADA NIVA 4×4 „AROUND ICELAND“

Die erste Reise nach Island brachte uns Menschen und Landschaften näher und wir konnten dank dem kleinen Geländewagen eine tolle und pannenfreie Reise unternehmen. Zudem habe ich bei dieser Reise zum ersten Mal einen Geländewagen auf ruppigen und schwierigen Pisten bewegt und so Vertrauen in einen Geländewagen bekommen.

Was wir am Lada hatten wurde mir so richtig klar, als ich vor einigen Jahren auf einer „Off Road“-Tour mit einem Land Rover Defender im schwierigen Gelände einen sehr steilen Track zu bewältigen hatte. Wir kamen diese Passage (Dank einiger Erfahrung) hoch – die anderen modernen Geländewagen mit Traktionskontrollen mussten alle kapitulieren. Einer schaffte es trotzdem – mit etwas Schwung und Gefühl bewältigte ein Lada Niva diese steile Passage mit einer Unbekümmertheit, die mich schon in 1980er-Jahre faszinierte.

Es ist unglaublich, der Lada Niva ist 1976 erschienen und wird heute noch gebaut –  in Island (hier heisst er oft Lada Sport)  sind immer noch einige im Einsatz. Damals wie heute steht er da, als käme er aus einer ganz anderen Zeit. Und für mich ist der Lada Niva immer mit einer schönen Erinnerung an meine erste Reise nach Island verbunden und mit dem Beginn einer Liebe zu diesem unglaublich schönen Land!

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

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