Puxley Manor – ein Geisterschloss wird nie ein Luxushotel

Auf der einsamen, irischen Halbinsel Beara etwas westlich von Castletown Bearhaven erzählen zwei Ruinen Geschichten von Schlossherren und korrupten Bankern. Hinter diesen Mauern verbergen sich Vermächtnisse von Macht und Untergang wie diese irgendwie typisch für Irland sind.

Ein Besuch der kleinen Bucht von Puxley Manor und dem Dunboy Castle lohn sich – es erwartet einem eine schöne Natur mit einem herrlichen Ausblick auf die Bantry Bay und die Berge der Beara Halbinsel. Wenn man dann hier am Ufer steht und den herrlichen Blick geniesst, kann man sich fast nicht vorstellen, wie geschichtsträchtig dieser Ort ist. Hier beim Dunboy Castle oder etwas weiter vorne beim Puxley’s Manor.

Dieser Ort ist sehr geschichtsträchtig, was man bei dieser Idylle fast nicht glauben kann.

Als erstes erzähle ich etwas von Puxley Manor, einem Gespensterschloss, das ein Hotel hätte werden sollen und jetzt wieder ein Gespensterschloss ist. Ursprünglich gebaut von der Familie Puxley aus Wales, die hier in der Gegend Kupferminen aufbaute. Auf Boden der einmal einem irischen Clan gehörte, die von den Briten mit Gewalt verjagt worden waren. Später verzockten an gleicher Stelle einige irische Banker und Investoren sehr viel Geld. Geblieben ist das Gespensterschloss und ein verrottetes Schiffswrack.

Das neue Puxley Manor – zu 90% fertiggestelltes Luxushotel – brachte Banker und Spekulanten kein Glück. Seit 2010 gibt es keine News wie es mit dem 60 Millionen Euro teuren Bau weiter geht.

Kaum zu glauben, aber in jüngster Zeit wütete der Celtic Tiger an diesem abgelegenen Ort. Im Sog der irischen Hochkonjunktur, den man hier den Celtic Tiger nannte, traten übermütige Finanz-Manager auf den Plan. Diese hatten die glorreiche Idee die Ruine des Puxley Manor in ein 6* Luxushotel zu verwandeln. Spekulanten stellten über 60 Millionen Euro (!) zur Verfügung und der Plan wurde umgesetzt. Das Hotel war zu 90’% erstellt – dann kam die irische Finanzkrise, die sich in der Folge weltweit ausbreitete. Die sorglosen Banker und Finanz-Manager bekamen kalte Füsse. Man begann zu rechnen und erkannte erstaunliches. Hier draussen  auf der bergigen Beara Halbinsel* – weit weg von der Welt – kann ein Luxushotels unmöglich wirtschaftlich betrieben werden. Sie drehten darauf den Geldhahn zu, die Spekulanten verloren ihr Geld, einige fanden sich im Gefängnis wieder. Puxley Manor – inzwischen mit 58 Luxus-Suiten – verwandelte sich zurück, in das Geisterschloss, was es schon einmal war.

Abgeriegelt und unbewohnt – ein modernes Geisterschloss

Lange vor der Schnapsidee mit dem Hotel ruhte Puxley Manor Jahrzente als ausgebrannte, romantische Ruine vor sich hin. Viele Jahre ist es her, dass ich die Ruine besuchte. Ein tolles Fotomotiv, wenn das Abendlicht auf die Ruine traf. Der Zugang in die Ruine war einfach möglich. Man sah überall Brandspuren, verkohltes Holz. Und überall wuchsen Sträucher und Pflanzen aus den maroden Mauern.

Die Runine des Puxley Manor, „analog“ im Jahre 2001 aufgenommen

Ein Einheimischer hatte 1927 das Anwesen in einer Auktion gekauft. Er tat sein Bestes um das Land sowie das ausgebrannte Schloss in seinem Besitz zu halten. Irgendwann konnte er die Kosten für die Versicherung nicht mehr aufbringen – seine Träume von einer Restaurierung platzten. Im Jahre 1999 verscherbelte er das Anwesen.

Im Hafen des Schlosses liegt dieses alt Schiffswrack

Den wirkliche Niedergang des Schlosses  geht auf den irischen Unabhängigkeitskrieg in den 1920er Jahre zurück. Damals marschierte die IRA in dieser Gegend ein, verjagte die Schlossherren und nutzen eine kurze Zeit das Schloss als Militär-Quartier. Zum Gespensterschloss wurde es, als die IRA das Gebäude anzündete und es symbolisch niederbrannten.

Für die IRA und die leidende irische Bevölkerung war die Familie Puxley aus Wales – die Erbauer und Schlossherren – der Inbegriff des bösen Kapitalismus und der englischen Kolonialherrschaft. Und Puxley Manor ein verhasstes Symbol für Hungersnot und die Unterdrückung der irischen Bevölkerung.

Die Schlossherren waren berüchtigte Industrielle. Die Familie Puxley kam ca. 1730 an diesen Ort und bauten die Kupferminen in dieser Gegend auf. Man baute hier zuerst ein Haus, das Schloss selber wurde erst 1866/67 von „Copper John“ Puxley fertig gestellt. Und dabei spielte – genau gleich wie bei den Finanz-Managern – Geld keine Rolle. Aber anstatt Geldgeber auszunehmen, verdiente man das Geld in den eigenen Kupferminen, wo bis zu 1300 Arbeiter sklaven-ähnlich gehalten wurden. Den Bauern nahm man zudem die Ernte komplett ab. Während die Bevölkerung hungerten und starben,  entstand dieser protziger Bau, ein eigener Hafen in der Bucht und ein grosser Park.

William Lawrence postcard of Puxley Manor, circa early 1900s.

Die Familie Puxley baute ihre unbarmherzige Geldmaschine an einem Ort auf, die von der englischen Krone blutig erobert wurde. An einer Stelle also, an der damals ein hier ansässiger gälischer Clan vertrieben und ausgelöscht wurde.

Heute noch steht ein Steinwurf vom Gespensterschloss entfernt eine Ruine – die Ruine des Dunboy Castle. Im nächsten Teil erzähle ich Euch die Geschichte von Dunboy Castle – eine Geschichte von Belagerung, spanischen Krieger und einer Tragöde auf Dursey Island.

Puxley Manor Sullivan Mansion Hotel Luxus Dunboy Castle
Kurz hinter dem Puxley Manor findet man die Ruinen eines anderen Schlosses – die Ruinen des Dunboy Castle

Bilder: Michael’s Beers & Beans Herbst 2017

* Beara Peninsula

Auch heute noch ist die Beara Halbinsel nicht einfach zu erreichen. Von Dublin bis zur äussersten Spitze vor Dursey Island muss über 7 Stunden Fahrzeit eingerechnet werden.

Die zwischen der Bantry Bay und dem Kenmare River gelegene Halbinsel Beara ist ein Besuch wert. Steile, zerklüftete Klippen, viele vorgelagerte Schären und sanft ansteigende Wiesen sowie Steinmauern und Hecken bestimmen das Landschaftsbild. Die Luft, das Licht hier draussen ist einmalig. Die wunderschöne Küstenlinie und die malerischen Dörfchen bilden fast ein kleines Paradies.

Quellen: Wikipedia, Irish Times, http://www.apassportaffair.ch, mailonline.uk, usw.

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

 

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

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