Mittendrin im Container Terminal Altenwerder, Hamburg

Der Hafen ist der Wirtschaftsmotor der Metropole Hamburg. Mit Speicherstadt, Hafencity und Elbphilharmonie zugleich eine der grössten Attraktionen. Pflichtprogramm für Hamburg-Touristen. Und es gibt viele Möglichkeiten, den Hafen zu entdecken, dabei die vielen Facetten des Hafens kennen zulernen. Bei einem eher zufälligen oder sagen wir überraschenden Besuch in Hamburg anfangs Februar wurde ich kurz und bündig in einen Reisebus gepackt, der mich zusammen mit anderen Touristen in Richtung Containerhafen führte.


Was für ein Graus für einen freiheitsliebenden und fotografierenden Menschen! Aussteigen aus dem blöden Bus war nicht vorgesehen. Dazu ein wunderschönes Winterlicht. Die vielen Motive – meine Qualen waren vorprogrammiert

Schnell musste ich erkennen, diese Tour machte (auch für mich) Sinn. Mit Sondergenehmigung und Begleitfahrzeug fuhr unser Bus direkt auf die Containerterminals. So bekam ich die Gelegenheit einen Blick hinter die faszinierenden, logistischen Kulissen der Container Terminals Buchardkai und Altenwerder Kai zu werfen. Eine direkte Begegnung mit den Giganten der Meere und der heutigen Digitalisierung.

Einige wenige, aber faszinierende Schnappschüsse sind mir doch gelungen. So kann ich Euch ein wenig mitnehmen in die mir sehr fremde Welt der Schiffs-Giganten, TEU’s, Tandem-Containerbrücken, der Automated Guided Vehicles, Multi-Purpose-Terminals, Portalkräne, Van-Carrier, Portalhubwagen und Hauptkatzen.

Ein Teil des Container Terminal Burchardkai
Das Containerschiff CMA CGM Tanya läuft gerade im Hafen ein. Dieses 300m lange Schiff (10.000 TEU) wird am Terminal Burchardkai anlegen. Diese Schiff bedient Europa mit südamerikanischen Ländern und bietet ideale Voraussetzungen für die Verschiffung von Kühlprodukten, wie z.B. frisches Obst und Gemüse, Fleisch oder Meeresfrüchte.
Das sind sie also die bekannten Container – nur werden diese hier so nicht genannt. Die richtige Bezeichnung ist twenty-foot Equivalent Unit (Abkürzung TEU). Die gängigen Container sind inzwischen meistens forty-foot, damit doppelt so gross. Daher werden diese Einheiten Doppel-TEU’s oder FEU genannt. Ein Schiff mit 10’000 TEU nimmt also ca. 5000 gängige Container (Doppel TEU’s) auf.
Mit den Kran-Typen habe ich keinen Durchblick bekommen. Aber diese im Bild sind vermutlich Containerbrücken, also ein Portalkran der speziell für den Containerumschlag gebaut wurde.
Die Mette Maersk zählt zu den weltweit grössten Schiffen (Containerschiffe der Triple-E-Klasse). Diese Giganten der  Weltmeere werden von der grössten Containerschiffsreederei, der dänischen Reederei Maersk Line (A. P. Møller-Mærsk, Kopenhagen) betrieben.
Überall werden grosse, aber auch kleine Schiffe be- und entladen.
Dutzende solcher seltsamen Gefährte sind uns begegnet. Es handelt sich um ein Portalhubwagen (Van carrier, straddle carrier, gantry lift). Dieses Flurförderfahrzeug ist ein spezielles Umschlaggerät für TEU’s.
Ein Arbeitsplatz mit Panoramablick – dabei fokussieren die Kranführer nur auf ihre Arbeit. Das Be- und Entladen braucht ein Fingerspitzengefühl. Dazu kommt eine anstrengende Sitzhaltung – der Kranführer schaut beim Aufnehmen der Fracht immer zwischen seinen Beinen hinunter auf das Schiffsdeck.

Altenwerder Kai – fotografieren verboten

Der HHLA Container Terminal Altenwerder ist ein grosses Beispiel der heutigen Digitalisierung. Der neuste Terminal verfügt über einen sehr hohen Automatisierungsgrad. Eine hochmoderne Technik und innovative EDV-Systeme gewährleisten das effiziente Löschen und Laden insbesondere der grossen Containerschiffen.

Riesige Portal-Kräne mit Zweikatzbetrieb (zwei Kransysteme) bedienen die ankommenden Schiffe. Die Hauptkatze – hier bedient noch ein Mensch – übernimmt den teilautomatisierten Transport vom Schiff auf einen Zwischenplatz, die sich mittig auf der Brücke befindet. Die Portalkatze befördert den Container vollautomatisch von dort auf ein fahrerloses Transportfahrzeug (Automated Guided Vehicles).

Fast wie in einem Science-Fiction-Film bewegen sich die riesigen fahrerlosen Transportfahrzeuge und bringen die Container vom Kranen zu den LkW oder Zug Terminals. Für die Be- und Entladung der LKW’s/Züge werden Portalkräne manuell von Fernsteuererplätzen im Betriebsgebäude gesteuert.

Die Erfindung des Containers – Fluch und Segen?

Der Container – eine einfach Stahlkiste – wurde vom amerikanische Spediteur Malcolm McLean erfunden. Damals schleppten allerorten Heerscharen von Hafenarbeiter Säcke und Holz-Boxen in den Laderaum eines Schiffes. Diese schwere Arbeit wurde den Menschen durch die Container-Logistik abgenommen.

Die Container-Logistik hat unser eigenes Leben spürbar günstiger gemacht. So können wir heute Computer, elektronische Geräte, Kleidung, Möbel, Fleisch, Gemüse, usw. überall preiswert kaufen.

Diese Waren schaffen es in unsere Läden, da die Container-Schiffe in den vergangenen Jahren eine massive technische Aufrüstung erfahren haben. Kleine Crews können grosse Gütermengen über weite Entfernungen transportieren. Die Container-Schifffahrt ist pro Tonnenkilometer extrem effizient, weitaus effizienter als der Transport auf den Schienen, Strassen oder in der Luft.

So wie mir die Bedeutung der Schifffahrt für unser tägliches Leben nicht in vollem Umfang bewusst ist, so wenig weiss ich über den Bereich der Schifffahrtsemissionen: 15 der grössten Schiffe weltweit stossen gleichzeitig in einem Jahr so viele Stickstoffoxide und Schwefeldioxid aus wie hunderte Millionen von zugelassenen Autos. Rund 90 Prozent des weltweiten Handels werden über mehr als 40’000 Handelsschiffe abgewickelt. Diese Frachter fahren mit hoch belastetem Schweröl und belasten unsere Umwelt. Ein hoher Preis, damit wir ein T-Shirt für einen Franken bei uns in den Läden „günstig“ kaufen können.

Wie viele Container fallen im Jahr von Schiffen ins Meer?

Als der Fachmann dieses Thema aufgriff, glaubte ich an einen schlechten Witz. Er sprach von einigen hundert Container, die jedes Jahr weltweit von den Container-Schiffen ins Meer fallen und auf den Grund sinken. Ein Faktor für den Verlust von Container ist, dass bei starkem Sturm zur Rettung der Besatzung und des Schiffes die Container „über Deck“ gelöst und dem Meer überlassen werden.

Wie viele Container jährlich auf den Weltmeeren verloren gehen, darüber streiten sich die Experten. Daher findet man im Internet widersprüchliche Berichte. Auffallend ist, dass die Logistik-Branche von ein paar Hundert ausgeht, andere Quellen sprechen von jährlich knapp 10’000 Container. Ich frage mich, gehört ein einziger Container auf den Grund unserer Meere? Warum sind die Giganten der Weltmeere nicht „sturmsicher“? (Diese Frage darf jemand wie ich stellen, ich lebe ja in einem Binnenland …)

Die roten Container (Sorry, Doppel TEU’s) der Linienreederei Hamburg Süd

Hafentour „Auge in Auge mit den Giganten“

Die Hafentour von Jasper „Auge in Auge mit den Giganten“ ist keine der gängigen Boots-Rundfahrten, sondern eine Bustour zu den Containerterminals. Eine rund dreistündigen Tour an Orte im Containerhafen die normalerweise nicht zugänglich sind. Einen faszinierenden Blick hinter die logistischen Kulissen des Hamburger Hafens – sehr empfehlenswert. Link: https://jasper.de

(Wichtig: eine gültige ID oder ein Reisepass wird benötigt, sonst kommt man nicht auf das Gelände.)

Quellen: Wikipedia, HHLA, Die Welt (Erfindung des Containers; 2006), Zukunft Mobiliät, Spezialist Bustour „Auge in Auge mit den Giganten.“, usw.

Bilder: Michael’s Beers & Beans, Hamurg Februar 2018
Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell.  Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den (wissenschaftlichen) Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

9 Kommentare zu „Mittendrin im Container Terminal Altenwerder, Hamburg

  1. Tolle Bilder, so weit bin ich in den Freihafen noch nicht hinein gekommen!
    Es soll auch Container geben, die kurz unter der Wasseroberfläche schwimmen, wenn sie von Bord gefallen sind, und die dann ihrerseits Unfälle mit fahrenden anderen Schiffen provozieren … Nicht nur umwelttechnisch ein Problem, sondern auch gefährlich.
    Viele Grüße aus HH, Andrea

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    1. Hallo Andrea, Danke für Dein Kommentar, ist wirklich spannend und eindrücklich. Irgendwie hat ein Container nichts unter Wasser verloren und so kann ich mir gut vorstellen, dass diese ja teilweise auch schwimmen und dann für andere Schiffe gefährlich sind. Schlussendlich ist das ganze wohl ein weiterer Faktor warum unsere Meere voll sind von menschlichem Müll. Eigentlich müsste man nach Wegen suchen, wie sich der Verlust solcher Container auf ein absolutes Minimum reduzieren lassen könnte. LG, Michael

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  2. Hallo Michael,
    da bist du wirklich direkt an den Ort des Geschehens gelangt! Sehr schöne fotografrische Eindrücke und viele sehr interessante Details im Text dazu – auch für mich, die den Hamburger Hafen vor der Nase hat!

    Freut mich, dass du dieser Bustour ohne Aussteigen etc. letztendlich doch enorm viel abgewinnen konntest und der direkte Zugang andere kleine Nachteile wieder wettmachte.

    Von den Containern, die nicht am Zielort ankommen, sondern irgendwo auf dem Meeresgrund liegen, habe ich auch schon häufiger gehört – und es ist offensichtlich bereits seit langen Zeiten der Fall. Als ich noch in einer Exportfirma tätig war, die viele Container nach Übersee verschiffen ließ, hatten wir häufger entsprechende Fälle. Die Versicherung sprang dann ein, so dass es keinen Verlust für die Käufer bedeutete, aber für den Ozean ist das nur nicht so das Wahre.
    Damals passierte es hauptsächlich bei Stürmen mit hohem Wellengang und gleichzeitig unzureichend gesicherter Ladung. Je größer die Containerfrachter wurden und je höher man stapelte, desto häufiger schien und scheint es Vorfälle zu geben, bei denen die Box über Bord geht (gehen muss).

    Sehr schöner Artikel!
    LG Michèle

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Michèle, vielen Dank für Dein Kommentar, natürlich der Hinweis betreffend den verlorenen Container macht wirklich sehr nachdenklich. Die Tour ist sehr interessant, war aber dann am Schluss doch froh, wieder aus dem Bus raus zu sein 😉 LG; Michael

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    1. Hallo Franz, dies ging mir auch so – zweifelsohne ist es eigentlich eine Umweltkatastrophe, wenn ein Container über Bord geht. Nicht vergessen darf man, dass in diesen Behältern auch Chemikalien transportiert werden. Danke für Dein Feedback. LG, Michael

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